NABU-Projekt zur Wiederansiedlung

Der NABU Sachsen ist bemüht, einen Beitrag zur Wiederherstellung naturnaher Auwälder mit Schwarzpappeln zu leisten. In einem vom Freistaat Sachsen von 2013 bis 2014 geförderten Projekt sollten die noch vorhandenen Schwarzpappelbestände sowie das Gefährdungspotenzial und eventuell vorhandene Naturverjüngungen entlang größerer Abschnitte der Elbe und der Vereinigten Mulde in Sachsen erfasst werden. Ein Schwerpunkt des Projektes bestand darin, für die Wiederansiedlung von Schwarzpappeln geeignete Flächen zu finden.

Das Projekt soll 2015 fortgeführt werden, um die bisher ausgeschlossenen nördlichen Bereiche der sächsischen Elbe in die Untersuchungen einzubeziehen und die schwierige Abstimmung der verschiedenen Behörden für eventuelle Wiederansiedlungsmaßnahmen voranzutreiben.

Elbabschnitt südöstlich von Meißen (rote Punkte: 2013 zusätzlich erfasste Schwarzpappeln; dunkelgrüne Flächen: 2013 erfasste potenzielle Schwarzpappel-Pflanzflächen; braune Flächen: 2013 erfasste Hybridpappelbestände). | Kartengrundlage: OpenStreetMap

Erfassung der Schwarzpappel

Schwarzpappeln von Hybridpappeln zu unterscheiden, erfordert umfangreiche genetische Untersuchungen. Experten des NABU und des Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS) erfassen deshalb in ausgewählten Untersuchungsgebieten an sächsischen Flüssen die genetischen Variationen, vergleichen die genetischen Strukturen von größeren Schwarzpappelpopulationen und prüfen deren Artzugehörigkeit. In Sachsen wurden im Untersuchungsgebiet der Elbe und der Neiße keine Hybridpappeln (Populus x euramericana) gefunden, am Main beispielsweise fehlten die echten Schwarzpappeln (Populus nigra) fast gänzlich, der Anteil der Hybridpappeln lag bei 95 Prozent.

Die Analyse der genetischen Untersuchungen zeigt, dass es große Unterschiede in den genetischen Strukturen gibt und die Hybridisierung sowie Introgression (Bewegung eines Gens, Chromosoms, Chromosomsegments oder Genoms von einer Art auf eine andere) nur in wenigen Vorkommen in geringem Anteil auftraten. Zum Teil bildeten sich Klonfamilien. Zur Schaffung einer Grundlage für die Planung gezielter Erhaltungsmaßnahmen der Schwarzpappeln müssen die genetischen Variationen und die Strukturen in den jeweiligen Vorkommen charakterisiert werden. Wichtige Kriterien zur Beurteilung ihrer „Erhaltungswürdigkeit“ sind Individuenzahl, genetische Struktur, Altersstruktur und Vitalität.

An Elbe und Mulde konnte der SLB beispielsweise zwischen 2001 und 2012 265 Vorkommen von Schwarzpappeln als Einzelbäume kartieren, 108 Schwarzpappelbestände wurden an Elbe und Neiße erfasst. Weitere 150 Individuen meldeten Naturschutzhelfer und Verbände.

Schwarzpappelexperte des NABU Dr. Jörg Lorenz nahm Proben von Knospen und Blättern und lieferte sie an den SBS, um mittels gentechnischer Untersuchung die Art bestimmen zu lassen. | Foto: Jörg Lorenz | NABU Sachsen

26 Individuen wurden als P. x euramericana bestätigt, außerdem fanden sich Rückkreuzungen und einige wenige nicht den Pappeln und Hybriden zuordenbare Individuen. Zur Erhaltung des genetischen Potentials der Schwarzpappeln ist der SBS seit 2013 in einem Projekt aktiv.

Im Rahmen des Schwarzpappelprojektes des NABU Sachsen war im Jahr 2013 NABU-Schwarzpappelexperte Dr. Jörg Lorenz an 42 Tagen unterwegs, um Schwarzpappeln zu erfassen. Weitere 23 Untersuchungstage folgten zwischen Januar und Juni 2014. Die Geländebegehungen an der Mulde konnten 2014 abgeschlossen werden. Auch an der Elbe, nördlich von Riesa (rechtselbisch), wurde die Erfassung fortgeführt. Fast 450 Bäume konnten 2014 erfasst, georeferenziert, digitalisiert und fotografiert werden. Hinzu kommen fast 350 Bäume aus den Erfassungen 2013 und fast 150 Hybridpappelvorkommen. Von einem Großteil der Bäume wurden Knospen- und Blattproben genommen und zur eindeutigen Bestimmung mittels genetischer Untersuchung an den SBS geliefert. Eine DNA-Analyse wird eindeutig den Status klären.

Echte Schwarzpappeln an der Elbe. | Foto: Friedheim Richter
Hybridpappeln an der Elbe. | Foto: Jörg Lorenz | NABU Sachsen

Maßnahmen zur Erhaltung der Schwarzpappel sind generell an geeignete Standorte gebunden. Das können regelmäßig überflutete Weichholzauen der Flüsse, verlassene Kiesgruben oder FFH-Gebiete mit optimalen Biotopstrukturen sein. Die Absicherung der Abstimmung aller Maßnahmen zur Generhaltung ist ein Muss.

Mistel als Bestimmungshilfe
Die Mistel wächst selten an echten Schwarzpappeln. Entdeckt man sie an Pappeln, kann man davon ausgehen, dass es Hybridpappeln sind. Sie ist ein Halbschmarotzer, d. h. sie bezieht ihre Nährstoffe zum Teil aus den Bäumen, auf denen sie gedeiht. Sie ist immergrün, ihre weißen Beeren werden gern von Misteldrosseln gefressen. Misteln sind oft in unseren Flussauen zu finden. Zwischen Eilenburg und Bad Düben sind ganze Baumgruppen dicht von Misteln besiedelt.

Die Mistel ist ein Schmarotzer, der selten an echten Schwarzpappeln, sondern nur an Hybridpappeln wächst. | Foto: Jörg Lorenz | NABU Sachsen
Ein Projekt des NABU Sachsen